5 Kriterien, die einen kompetenten Designer ausmachen

© „Low Cost Design Vol.2″ von Daniele Pario Perra

Wieso gibt es in der Designindustrie eigentlich kein Zertifikat, dass dem Kunden garantiert: Hier bekommen Sie staatlich geprüftes Qualitäts-Design, das alle technischen Kriterien erfüllt und noch dazu super aussieht? Das wäre doch angenehm! Stattdessen muss man sich oft genug auf die Empfehlungen von der Cousine des Nachbarns des Ex-Chefs verlassen und hoffen, dass man nicht die Katze im Sack kauft.

Doch eigentlich sind die Kriterien für gute Gestaltung in allen Disziplinen gleich: Egal ob sie einen Printgrafiker, Webdeveloper oder Architekten brauchen. Mit den folgenden Kriterien trennen Sie die Spreu vom Weizen!

1) Zuerst stellt er Ihnen die richtigen Fragen
Ein kompetenter Designer übernimmt nicht nur die ästhetische Gestaltung, sondern ist auch strategischer Partner für Ihr Projekt. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Kunden oft mit einer bestimmten Vorstellung davon, was sie brauchen, zu uns kommen. Wir haben uns angewöhnt, durch gezieltes Nachfragen noch ganz andere Bedürfnisse oder Ideen zu entdecken, die sowohl den Kunden als auch uns Designer begeistern! So gewinnen Projekte an Tiefe und Originalität.

2) Er hat stets den Benutzer im Fokus
Design handelt davon, Menschen und ihre Bedürfnisse zu verstehen. Und diesen Bedürfnissen kommt man nicht auf den Grund, indem man sich theoretische Abhandlungen über Benutzerfreundlichkeit durchliest oder Trends hinterher jagt. Nein, es geht darum, hinaus in die Welt zu blicken und sie zu entdecken: Warum ist ein Tisch in einem Café beliebter als andere? Warum ist ein iPhone benutzerfreundlicher als ein Nokia 3310? Warum kaufen sich Stadtmenschen SUVs (Geländewägen)?
Ein guter Gestalter wird nicht müde, sich diese Fragen zu stellen. Auf welche Art und Weise diese chronische Neugierde gestillt wird, ist höchst individuell: Der eine macht eine Weltreise, der andere beobachtet gerne das bunte Treiben in Stadtzentren. So oder so, ein guter Gestalter zeigt größte Neugier auf gesellschaftliche Entwicklungen und Zukunftstrends.

3) Er arbeitet ohne „persönlichen“ Stil
Gute Gestaltung hat in den seltensten Fällen etwas mit Selbstverwirklichung des Designers zu tun. Während des Studiums wurde uns von unserer Dozentin Ulrike Pötschke folgender Satz eingebläut: „Der Wurm muss dem Fisch schmecken, nicht dem Angler.“ Ein guter Designer wird regelmäßig kontrollieren, ob die Gestaltung in die richtige Richtung geht, nämlich Richtung Benutzer.
Achtung: Auch der Kunde muss seine persönlichen ästhetischen Vorlieben, denen seiner Zielgruppe unterordnen. Klingt offensichtlich, fällt aber nicht immer leicht, da sich ein Kunde mit seinem Projekt oft tatsächlich selbst verwirklicht.

4) Er sieht Klarheit als oberstes Gebot
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Annahme, dass der Konsument an Werbung interessiert sei. Die Wahrheit ist: Nobody cares! Wenn beim Konsumenten ein Bedarf da ist oder kreiert wird (durch attraktive Gestaltung), ist er möglicherweise geneigt, sich mit unserem Produkt auseinander zu setzen. Glück gehabt. Doch schon beim nächsten Punkt scheitern viele: Weil man sich hauptsächlich auf die Ästhetik konzentriert hat, wurden Klarheit und Verständlichkeit vernachlässigt. Der Kunde kommt mit dem Produkt nicht zurecht, ist frustriert und wechselt zur Konkurrenz. Pech gehabt.
Also was nutzt das schönste, originellste oder ungewöhnlichste Design, wenn es der Benutzer nicht verstehen kann? Gar nichts. Also: Für einen guten Gestalter hat die Klarheit immer Vorrang vor Ästhetik.

5) Er verfolgt konsequent ein nachhaltiges Konzept.
Der gedruckte Firmenfolder wurde bereits geliefert, die Website ist seit gestern online. Jetzt ist es an der Zeit, sich an den Früchten der ausgeklügelten Arbeit zu erfreuen. Es liegt aber in der Natur der Sache, dass sich etwa technische Anforderungen, oder Bedürfnisse mit der Zeit ändern. Die Marke wächst, verändert sich oder kann neue Märkte erschließen: Schon hat man eine Menge neuer Herausforderungen zu meistern.
Gute Gestaltung wird dann zu hervorragender Gestaltung, wenn sie sich leichtfüßig (und eben auch kostengünstig) auf neues Terrain begeben kann. Das Logo, das auf den Visitenkarten wunderbar aussieht, ist als App-Icon genauso knackig. Die Website, auf der der User auch am Handy genau das findet, was er letzten Abend am PC gelesen hat, wird ihn nachhaltig glücklich machen. Eine nachhaltig flexible Gestaltung wird spätestens auf den zweiten Blick attraktiv, nämlich dann, wenn sich Anforderungen ändern. Ein guter Gestalter wird diese – noch – unbekannte Variable stets im Blick behalten.

Fazit: Egal ob Website, Visitenkarte, Sofa oder User-Interface: Gute Gestaltung kann man also sehr wohl beurteilen. Doch wie kann man als Kunde im Vorhinein feststellen, ob ein Designer nach diesen grundlegenden Kriterien arbeitet? Das zeigt sich bei einem Kick-Off Workshop ganz schnell. Wie genau dieses effektive Werkzeug funktioniert, erfahrt ihr in meinem nächsten Blog Eintrag.

©„Low Cost Design Vol.2″ von Daniele Pario Perra

©„Low Cost Design Vol.2″ von Daniele Pario Perra

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